Der 5. Projekt-Call übertraf erneut die Erwartungen: Abermals war eine Steigerung der Quantität und Qualität der Anträge zu beobachten. Die zahlreichen Einreichungen zeigen die Dynamik und den Erfolg des Innovationsprogramms und unterstreichen das grosse Interesse an interdisziplinärer Forschung im Bereich der digitalen Transformation. Die DIZH-Gremien haben sich daher entschieden, 12 der 90 eingereichten Projekte zu fördern und damit mehr als ursprünglich vorgesehen. Die geförderten Projekte zeichnen sich durch Innovationskraft, gesellschaftliche Relevanz und einen starken Praxisbezug aus. Die Bandbreite reicht von der Intensivstation über das Klassenzimmer bis ins Forensische Institut, von antiken Inschriften bis zu Deepfake-Stimmen.
Die Entscheidung, mehr Projekte als geplant zu unterstützen, erfordert eine Anpassung der Mittelverteilung. Die beantragten Fördersummen der Projekte werden pauschal um 15% reduziert und der 6. Projekt-Call entfällt. Beim 6. Projekt-Call hätte die vorgesehene Gesamtfördersumme nur die Förderung weniger Projekte mit kürzerer Laufzeit erlaubt. Die jetzt vorgenommene Konsolidierung erlaubt den Hochschulen eine bestmögliche Nutzung der verfügbaren Ressourcen. Mit den noch ausstehenden fünf Calls geht die DIZH in den Endspurt des Innovationsprogramms.
Realisiert werden die Projekte von interdisziplinären Teams aus allen vier DIZH-Hochschulen, die Forschung und Praxis miteinander verbinden. Die Projekte nutzen verschiedene Technologien und methodische Ansätze: Künstliche Intelligenz digitalisiert handschriftliche Kinderimpfausweise, Eye-Tracking analysiert Leseprozesse, Spracherkennung erfasst Symptome von Demenz, Multi-Agenten-Systeme verarbeiten komplexe Patient:innendaten, Bayes’sche Netzwerke ermöglichen die Früherkennung von Verwirrtheitszuständen und Hirnsignale helfen, künstliche von echten Stimmen zu unterscheiden. Die Anwendungsfelder reichen von Gesundheit über Bildung bis zu Sicherheit und Kultur: Auf der Intensivstation werden Familien unterstützt, Kinder mit ADHS profitieren von präziserer Diagnostik, digitale Lernassistenten fördern Bildungsgerechtigkeit, Jugendliche werden im Umgang mit Social Media begleitet, Strafverfolgungsbehörden erhalten Werkzeuge zur Aufklärung von Telefonbetrug und die Öffentlichkeit erhält Zugang zu antiken Inschriften und ihrer Geschichte.
Kulturvermittlung: Antike erleben
«Vox Lapidum» erweitert die lateinische Epigraphik-Datenbank EDCS um automatische Annotationen und verknüpft diese mit Bildern, 3D-Scans und Metadaten. Ein dialogisches Interface macht die Geschichte von über 500’000 Inschriften und der Personen dahinter zugänglich für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit.
Gesundheit und medizinische Diagnostik
«ADAPT» entwickelt eine kinderfreundliche ADHS-Diagnostik, die Hirnsignale, Bewegungsdaten und Leistungsdaten in neuropsychologische Tests integriert. Die mehrdimensionalen Patient:innenprofile ermöglichen Vorhersagen zur individuell geeigneten Behandlung.
«DiSpLA» wird die erste App zur automatischen Spracherkennung und Sprachanalyse für den klinischen Einsatz im Schweizerdeutschen. Sie erfasst Sprachveränderungen bei Personen mit Demenz und Kindern mit Sprachstörungen und reduziert Kosten und Zeitaufwand für Diagnosen und Verlaufskontrollen.
«Digitalisierung handschriftlicher Kinderimpfausweise für Impfpraxis und -kontrolle» entwickelt eine KI-Pipeline, die handschriftliche Kinderimpfausweise in standardkonforme Daten digitalisiert. Das System unterstützt klinische Arbeitsabläufe und ermöglicht eine landesweite Impfkontrolle.
Intensivmedizin: Unterstützung in kritischen Situationen
«eFICUS» bietet Familien von schwerkranken Personen personalisierten Zugang zu psychoedukativen Angeboten und emotionaler Unterstützung. Die Intervention ergänzt die familienorientierte Versorgung durch Pflegefachpersonen und Ärzt:innen auf der Intensivstation.
«MERLIN» entwickelt ein Multi-Agenten-System für medizinische Echtzeit-Entscheidungen in der Intensivmedizin. Es verarbeitet grosse Mengen multimodaler Patient:innendaten, reduziert die kognitive Belastung und verbessert die Effizienz der Arbeitsabläufe.
«Delirium DynamiX» kombiniert Daten der Intensivstation mit lokalen Sprachmodellen und Bayes’schen Netzwerken. Die Modellierung dynamischer Kausalketten ermöglicht eine frühzeitigere Erkennung von Delirium.
Bildung: Digitale Tools zur Förderung von Lernenden
«LitAI» verbindet Eye-Tracking und KI zur Leseförderung. Der Lesetutor LitBot analysiert Blickbewegungen und Antworten der Schüler:innen und unterstützt adaptiv beim Textverständnis. Im Klassenverband wird dieses Verständnis vertieft und reflektiert.
«Chat4All» entwickelt einen digitalen Assistenten, der Bildungsgerechtigkeit fördert. Das System erkennt Muster im Lernverhalten und bietet adaptive Unterstützung. Lernprozesse werden so gezielt begleitet und gestärkt.
Social Media: Unterstützung für Jugendliche
Das Projekt «Wie können Jugendliche mit negativen Gefühlen umgehen, die durch soziale Medien entstehen?» untersucht emotionale Auswirkungen sozialer Medien auf Jugendliche und entwickelt Unterstützungsstrategien. Gemeinsam mit Jugendlichen und Pro Juventute entstehen eine Social-Media-Kampagne, Materialien für Pädagog:innen und eine Smartphone-Intervention.
Sicherheit: Schutz vor Betrug und Kriminalität
«SAGE» entwickelt computerbasierte Stimmabdrücke zur forensischen Analyse umfangreicher Audiodaten aus der Telekommunikation, insbesondere im Kontext von Telefonbetrug. Das System unterstützt Zürcher Strafverfolgungsbehörden wie das Forensische Institut Zürich oder die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich bei der Bestimmung der Sprecheranzahl und der Sprechersegmentierung (wer spricht wann).
«Fake oder echt? Erkennung von Deepfake-Stimmen durch Hirnsignale» untersucht, ob Hirnsignale unbewusst zwischen echten und künstlichen Stimmen unterscheiden können. Neuronale Messdaten werden mit KI-Methoden kombiniert, um Erkennungssysteme zu entwickeln, die auch bei neuen Generatoren und ressourcenarmen Sprachen wie Schweizerdeutsch funktionieren.
Die finanzielle Unterstützung der Projekte erfolgt über den DIZH-Sonderkredit, der nach Kürzung der Förderbeiträge bis zu CHF 255’000 pro Projekt umfasst. Zudem beteiligen sich die Hochschulen durch Matching-Funds paritätisch an der Finanzierung. Die Laufzeiten der Projekte betragen bis zu drei Jahren.
Ein herzliches Dankeschön geht an alle, die Anträge eingereicht haben, an die externen Reviewer:innen sowie an die engagierten Gremien für ihre wertvolle Arbeit im Evaluationsprozess.
Ausblick
Bis 2027 werden im Innovationsprogramm folgende Calls ausgeschrieben:
- 3. Founder-Call
- 3. Outreach-Call
- 5. und 6. Rapid-Action-Call
Detaillierte Informationen zu allen Ausschreibungen finden sich hier.