Viele Menschen haben Mühe, Sprache in lauten oder akustisch komplexen Umgebungen zu verstehen, etwa in einer Bahnhofshalle, einem Restaurant oder bei einem Konzert. Klassische Hörtests stossen hier an ihre Grenzen: Sie bilden die Komplexität realer Hörsituationen kaum ab und erreichen damit keine ökologische Validität.
Das Projekt SpiN3D simuliert auf Basis dreidimensionaler Audiotechnologien ökologisch valide Alltagsszenarien in einer kontrollierten Laborumgebung. Aufnahmen aus der echten Welt werden so aufbereitet, dass Sprachpegel, Hintergrundgeräusche und Richtungsinformation systematisch variiert werden können. Die Teilnehmenden sollen die simulierten Umgebungen als überzeugend erleben, nicht als Laborsituation.
So lassen sich grundlegende Fragen der Hörforschung untersuchen: Was geschieht im Gehirn, wenn es Sprache unter Lärm verarbeitet? Warum gelingt das manchmal und wo bricht der Prozess zusammen? Welche Rolle spielt dabei Tinnitus? Die Ergebnisse sollen auch zeigen, wie Menschen mit Hörstörungen komplexe akustische Situationen erleben, und damit zur Verbesserung von Hörhilfen beitragen. «Wir holen die Realität, wir holen das richtige Leben ins Labor. Das heisst, wir können Hirnfunktionen untersuchen, während wir Situationen simulieren, wie man sie eben beispielsweise von der Bahnhofshalle kennt, von Situationen im Fussballstadion oder bei einem Konzert.» sagt Prof. Dr. Martin Meyer.
SpiN3D ist ein Kooperationsprojekt der UZH (Institut für Interdisziplinäre Sprachevolutionswissenschaft, Medizinische Fakultät und Interdisziplinäre Tinnitus-Forschung Zürich) sowie des ZHdK Institute for Computer Music and Sound Technology. Praxispartner ist Sonova. Das Projekt wird im 2. Projekt-Call gefördert.