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Wenn Steine Geschichten erzählen

Ein Legionär erhält nach 25 Dienstjahren das römische Bürgerrecht. Verwünschungen auf einem Bleitäfelchen. Ein Meilenstein gibt Auskunft über die verbleibende Wegstrecke bis Augsburg. Solche Einblicke in den römischen Alltag sind in Inschriften überliefert, die bis heute erhalten sind.

Anne Kolb, Professorin für Alte Geschichte an der UZH, verantwortet die Epigraphik-Datenbank EDCS (Epigraphic Database of the Roman World), die seit rund 40 Jahren lateinische Inschriften aus dem Imperium Romanum digital erfasst. Die Datenbank umfasst heute über 540’000 Einträge und wird vor allem von einem internationalen Fachpublikum intensiv genutzt. 2025 wurde EDCS von Eichstätt-Ingolstadt an die Universität Zürich überführt, wo sie derzeit technisch weiterentwickelt wird.

Das im 5. Projekt-Call geförderte Projekt Vox Lapidum knüpft daran an. Ziel ist es, die Inhalte der Datenbank so aufzubereiten, dass sie neben Forschenden auch für ein breiteres, nicht spezialisiertes Publikum zugänglich werden. Ein dialogisches Interface und KI-gestützte Funktionen sollen dabei helfen, Inschriften nicht nur zu finden, sondern in ihren historischen Kontext einzuordnen.

Grabstein: Dis Man(ibvs) sacr(vm) Postumia Cn(aei) f(ilia) Sperata sacerdos Cererum publica pia vixit ann(is) LXXI hic sita est. Übersetzung: Den Manen geweiht. Postumia Sperata, Tochter des Gnaeus, öffentliche Priesterin der Ceres, fromm, lebte 71 Jahre. Hier liegt sie begraben. EDCS-00000008