Hinter jeder KI steckt menschliche Arbeit. Doch wer diese Arbeit leistet, bleibt meistens verborgen. Der Spielfilm «Humans in the Loop» erzählt eine dieser Geschichten: die von Nehma (Sonal Madhushankar), einer alleinerziehenden Mutter aus Jharkhand, die Daten annotiert, damit Algorithmen «sehen» lernen. Die Aufnahmen aus dem Data Labelling Center stehen im Kontrast zu den Naturbildern Jharkhands. Regisseur Aranya Sahay, der auf Karishma Mehrotras Artikel «Human Touch» (2022) sowie eigene Feldforschung in dieser Region basiert, beschreibt diese Arbeit als eine Form von Elternschaft: Wer einer KI beibringt, die Welt zu sehen, formt ihr Weltbild.
Am 26. Februar luden wir gemeinsam mit ZHAW digital und ZHdK Institute for the Performing Arts and Film ins Kino Toni ein. Im Anschluss diskutierten Produzent Mathivanan Rajendran, Anthropologe Rahul Srivastava (Urbz) und Geografin Karin Schwiter (Universität Zürich / DIZH Public Data Lab), moderiert von Rebecca Brauchli (ZHAW digital).
In Indien sind rund eine Million Menschen in der Datenannotation tätig, viele davon Frauen mit wenigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass diese Realität vielschichtig ist: Die Arbeit ist repetitiv, oft schlecht bezahlt und ausbeuterisch. Gleichzeitig kann sie gerade in ländlichen Regionen wie Jharkhand Möglichkeiten eröffnen.
Rahul Srivastava betonte, dass die Ungleichheit nicht nur lokal entsteht. Technologie verstärkt bestehende globale Ungleichgewichte, KI-Systeme spiegeln in vielen Bereichen überwiegend Perspektiven des Globalen Nordens. Wer die Daten liefert, bestimmt nicht, was damit gebaut wird oder wem es nützt. Laut Karin Schwiter hilft der Film, Data Workers nicht nur als Arbeitskräfte zu sehen, sondern als Menschen mit Hoffnungen und Lebensentwürfen. Mathivanan Rajendran sieht in Hochschulräumen wichtige Orte, um zu verhandeln, wie eine gerechtere Technologiezukunft aussehen könnte. KI zu entmystifizieren und zu verstehen, dass hinter jedem Klick ein Mensch steht, sei dafür ein notwendiger erster Schritt.
Ein herzlicher Dank gilt Navina Gupta (ZHAW digital) für die Initiative, Manuel Hendry und Miriam Lörtscher (ZHdK Institute for the Performing Arts and Film) für die Unterstützung, den Podiumsteilnehmenden und allen, die den Film mit uns geschaut haben.