Generative KI verspricht die Zukunft. Doch wie verändert sie unser Bild der Vergangenheit?
Roland Meyer, DIZH-Brückenprofessor für Digitale Kulturen und Künste, beschreibt in einem Beitrag im Hochschulmagazin ZETT eine oft übersehene Dimension generativer KI: ihr Verhältnis zur Geschichte.
KI-Systeme wie ChatGPT oder Stable Diffusion basieren auf Milliarden von Bildern und Texten aus der Vergangenheit. Dieses virtuelle Archiv ist jedoch voller Lücken und blinder Flecken und geprägt von westlichen, kommerziellen Bildwelten. Während Künstler:innen KI nutzen, um historische Leerstellen kreativ zu füllen, warnt Roland Meyer vor einer gefährlichen Entwicklung: Gerade jetzt, wo KI synthetische Vergangenheiten massenhaft produziert, werden historische Bildarchive selbst bedroht. Aktuelle Löschungskampagnen in den USA lassen Tausende Bilder von Frauen, LGBTQ+ und People of Color aus digitalen Archiven verschwinden.
Am Beispiel des Dokumentarfilms «Afterlives» (2025) von Kevin B. Lee zeigt Roland Meyer das Paradox: Bilder von IS-Verbrechen sind online kaum noch auffindbar, hinterlassen aber verzerrte Spuren in KI-Trainingsdaten. Werden so Verbrechen der Vergangenheit in Algorithmen begraben?