Lade Veranstaltungen

« Alle Veranstaltungen

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

(ER)LÖSUNGEN IM WELTRAUM. Der Techfaschismus und die nordamerikanische Astrokultur

Mai 5 @ 18:30 - 20:00

Jens Temmen im Gespräch mit Katharina Gerund

Unsere Gegenwart, in der Technologie und Wissen exponentiell an Bedeutung gewinnen, ist zugleich auch eine Zeit ungebremster Krisen – nicht zuletzt ausgelöst dadurch, dass sich die ungleiche Verteilung von Ressourcen rasant zuspitzt. Interessant wird es, wenn nicht diese Ungleichverteilungen als Problem adressiert werden – sondern stattdessen (meist lukrative) Möglichkeiten geliefert werden, die daraus entstandenen Krisen zu «managen».
Der Begriff «Lösungsorientierung» kann also ein Denken kennzeichnen, das eher an Marktbedürfnissen als an der demokratischen Aushandlung der Interessen von Vielen orientiert ist. Das Versprechen, die Macht der Technologie für das Gemeinwohl zu nutzen, gab Unternehmer:innen in dem Moment, als klar wurde, dass die kapitalistische Wirtschaftsweise eher soziale Probleme verursacht, als sie zu lösen, ihre Legitimität zurück – so die Soziologen Oliver Nachtwey und Timo Seidl. Sie argumentieren, dass dieser Solutionismus den «Geist des digitalen Kapitalismus» kennzeichnet, d.h. die Überzeugungen, die das Handeln heutiger digitalen Eliten (Gründer:innen, Risikokapitalgeber:innen, leitende Ingenieur:innen, Manager:innen usw.) legitimieren, motivieren und ausrichten.
Evgeny Morozov definiert den Solutionismus als eine Ideologie, die «alle komplexen sozialen Situationen entweder als sauber definierte Probleme mit definitiven, berechenbaren Lösungen oder als transparente und selbstverständliche Prozesse umgestaltet, die leicht optimiert werden können – wenn nur die richtigen Algorithmen vorhanden sind». Soziale Probleme erscheinen so nicht mehr als Ergebnis von Macht- oder Vermögensasymmetrien, sondern als Ergebnis von Ineffizienzen und Mängeln: Sei es die Klimakrise, der Hunger oder demotivierte Mitarbeiter:innen, passend zu jedem gesellschaftlichen Nagel existiert ein technologischer Hammer. Hämmer, die wiederum auf die Suche nach Nägeln gehen müssen, um legitim zu bleiben.

Zum Veranstaltungsort K72*, Konradstrasse 72, 8005 Zürich:
K72 ist der Name einer Projektplattform in der Konradstrasse 72. Der Ort, Homebase des Forschungsprojekts «druckend denken» am Department Kulturanalysen und Vermittlung der ZHdK, wird seit Oktober 2024 parallel von Studierenden und Lehrenden des Majors «Critical Social Practice in Art Education» für Aktionen im Feld von Critical Education & the Arts genutzt. Ziel dieser Aktionen und Aktivitäten ist es, eine Schnittstelle zur Stadtgesellschaft herzustellen. Gearbeitet wird dabei mit künstlerisch-edukativen Praktiken.

Details

Veranstaltungsort

  • K72
  • Konradstrasse 72
    Zürich, 8005

Veranstalter